Eine Auswahl

25. Juli, 201611:12 von

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DSCF9134Wenn ich mich manchmal frage, warum mir im Alltag der Kopf wirbelt und ich den Wald vor B├Ąumen nicht sehe, liegt es oft daran, dass ich mich von zu vielen verlockenden Optionen umgeben sehe. Zu viel Auswahl, ein zu grosses Angebot an ├ähnlichem, die bekannte Qual der Wahl. Dass das ├╝berhaupt ein Problem ist, zeigt, in welchem Wohlstand wir leben… Ich stelle schon seit l├Ąngerem fest, dass ich den grossen Edeka, an dem ich auf dem Heimweg direkt dran vorbei fahre, lieber links liegen lasse und zu dem kleinen, altmodischen in unserer Siedlung gehe. Ich habe das Gef├╝hl, ich brauche allein schon von der puren Laufstrecke durch den Laden l├Ąnger, wenn ich in den gigantischen gehe, und ausserdem macht mich das ├ťberangebot an gleichartigen Produkten leicht verr├╝ckt. (Und geht es nur mir so, aber – je mehr Joghurtsorten im K├╝hlregal, desto unauffindbarer die Hefe?)

Mit den Kleidern ist es ├Ąhnlich: wer kennt nicht das Gef├╝hl vor dem vollen Kleiderschrank, nichts anzuziehen zu haben. Seit ich je nach Jahreszeit eine andere Auswahl aus meinem Schrank auf die Kleiderstange h├Ąnge und den Rest wegr├Ąume, tue ich mich leichter. Meine Sommergarderobe ist eher klein. F├╝nf Kleider, die ich schon beim Kaufen geliebt habe, zwei R├Âcke, eine Hose und ein paar Oberteile. Jedes Jahr freue ich mich, diese Sachen wieder zu sehen. Und weil man sie nur acht bis zehn Wochen tragen kann, sieht man sich auch nicht satt daran. Ganz anders als mit der Herbst/ Wintergarderobe, der man nach gef├╝hlten 30 Wochen einfach nichts mehr abgewinnen kann. Im M├Ąrz neige ich zu den gef├╝rchteten impulsiven Fehlk├Ąufen… Aber das nur am Rande. Es tut gut und vereinfacht das Leben, sich auf ein paar Farben und gut kombinierbare Teile zu beschr├Ąnken. Ich empfinde es nicht als Beschr├Ąnkung, sondern eher als Befreiung, weil ich nicht viel ├╝ber das, was ich anziehen will, nachdenken muss. Beziehungsweise: einmal intensiv nachgedacht spart sp├Ąter Zeit.

Und l├Ąsst einen mehr Zeit haben f├╝r andere Organisationsaufgaben nach dem gleichen Motto: jetzt dranbleiben mit Block und Stift und eine Auswahl treffen, um sp├Ąteren Stress zu vermeiden. Die Idee, die ersten Stunden des neuen Schuljahrs in den letzten Wochen des alten zu planen, wenn man gedanklich noch mittendrin ist, habe ich von Frances Clark, einer gesch├Ątzten amerikanischen Klavierlehrerin. Wie genial das ist, habe ich erst kapiert, als ich es das erste Mal gemacht habe. Seit einigen Jahren verfahre ich nun so und freue mich schon direkt auf meine Planungsstunde. V├Âllig stressfrei breite ich meine ganzen Unterlagen und m├Âgliche neue Hefte auf dem Tisch aus, nat├╝rlich mit (mehr als) einer Tasse Tee, und ├╝berlege Sch├╝ler f├╝r Sch├╝ler, wie es im neuen Jahr weitergeht, welche Noten eventuell angeschafft werden m├╝ssen (Extraliste auf einem anderen Block) und was wir in der ersten Stunde machen. Das ist das Geheimnis f├╝r Seelenruhe ├╝ber die Ferien schlechthin: schon mal skizzieren, wie es losgeht und die entsprechenden Hefte einpacken. Meine Erdinger Sch├╝ler werde ich in der ersten Woche mit einh├Ąndigen St├╝cken begl├╝cken – das ist ein lustiger Anfang, aussderdem klingt es so, als sei es leichter… Die Kekskr├╝mel und Taschent├╝cher von einem halben Jahr sind aus meiner Schultasche entfernt, die geplanten ersten Stunden und die Hefte daf├╝r sind drin, und ich sp├╝re schon jetzt einen wunderbaren Seelenfrieden, bevor ich die Kinderchen ├╝berhaupt in die Sommerferien verabschiedet habe. N├Ąchste Woche plane ich die Stunden meiner Privatsch├╝ler, dann kommt die Mega- Notenbestellung, und dann – Cocktails, Strandparties, der weisse Raffaelo – Werbungs – Badeanzug, was man als Klavierlehrerin halt so macht in den Sommerferien. Nein, nicht wirklich. Aber gef├╝hlt!