Kreatives Blattspielen…

28. MĂ€rz, 201408:56 von

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Was passiert, wenn man zwei kleine Freundinnen, die erfahrungsgemĂ€ss schon immer zehn Minuten vor der Stunde da sind, mit einem leichten Klavierheft und der Auflage, dass jede ein StĂŒck raussucht, vom Blatt spielt und mir spĂ€ter vorspielt, in ein Übezimmer schickt? Sie kommen wieder, quetschen sich wie selbstverstĂ€ndlich zu zweit auf den Klavierstuhl und spielen genau so selbstverstĂ€ndlich das StĂŒck zu zweit – jede eine andere Hand. Ich habe erst den Impuls, gleich einzuschreiten, schaffe es aber glĂŒcklicherweise, ruhig zu sein und werde damit belohnt, dass sich vor meinen Ohren eine mustergĂŒltige, mit Spass gespielte Ensembleleistung entfaltet. Ich bin aufrichtig gerĂŒhrt, dass es den beiden gar nicht in den Sinn kommen wĂŒrde, sozusagen gegeneinander zu spielen, indem jede allein ein StĂŒck raussucht, und ich ertappe mich dabei, dass ich anfange, selig zu grinsen wegen dieses völlig selbstverstĂ€ndlichen weiblichen Gleichklangs – bis eine rauskommt und die andere ungeduldig raunzt: „Mensch, spiel mal gescheid!“, was natĂŒrlich sofort in ein Kichern ĂŒbergeht… Nachdem sie ihre StĂŒcke wirklich gut prĂ€sentiert haben, sage ich, dass es eigentlich so gemeint war, dass jede ein StĂŒck allein spielt. Sie schauen mich gross an und eine fragt: „Warum?“

Ich merke erstens: hier ist mein nĂ€chstes Klavierduo… und zweitens bin ich schon wieder gerĂŒhrt, wie unverdorben von der Welt, vom Wettbewerbsgedanken, wie unschuldig und sozial eingestellt sie noch sind, obwohl sie schon sechs Jahre in diesem seltsamen System Schule stecken. Ich kann nur hoffen, dass sie sich dieses Bewusstsein bewahren: dass Zusammenmachen und zusammen lernen schöner und lohnender ist, als gegeneinander anzutreten. Die Chancen stehen gut, denn als ich abschliessend bemerke: „Ihr seid echte Freundinnen, oder?“ bejahen sie es grinsend,  versuchen gleichzeitig, ihre Arme unterzuhaken und kippen dabei fast vom Klavierstuhl. Alles bestens also.