Die guten Vors├Ątze…

4. Januar, 201407:46 von

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Januar┬áist eine gute Zeit, um Bilanz zu ziehen, wie und ob man seine Neujahrsvors├Ątze einhalten konnte. Ich wollte (praktisch…) keine B├╝cher kaufen und mehr aus der Bibliothek ausleihen. Nat├╝rlich heisst das nicht, dass sich die B├╝cherschar nicht doch durch unerwartete Geschenke vermehrt hat, das ist schon auch erstaunlich, wie da die besten Vors├Ątze nichts bringen… Aber aktiv habe ich wirklich kaum dazu beigetragen. Zwei B├╝cher ├╝bers Unterrichten f├╝r die Sommerferien mussten sein, aber das z├Ąhlt ja als Weiterbildung. Und ganz aktuell noch eins, das ich sicher auch immer wieder zur Hand nehmen werde.┬áAber ansonsten war ich wirklich so brav, dass ich mich zu Weihnachten mit zwei wundersch├Ânen antiquarischen Dickens-Ausgaben belohnt habe┬á– den gibt es erstaunlicherweise weder in der Schulbibliothek noch in Wasserburg.

Und hat mir was gefehlt? Nein. Nat├╝rlich gibt es den Impuls, wenn man vielleicht frei hat und durch eine sch├Âne Buchhandlung stromert, das ein oder andere Buch mitzunehmen, aber es hat direkt gut getan, solche spontanen W├╝nsche zu hinterfragen. Dabei konnte ich feststellen: wahrscheinlich sind die meisten K├Ąufe aus so einer Gelegenheitslaune geboren. W├╝rde man noch mal heimgehen und eine Nacht dr├╝ber schlafen, w├╝rde man sicher bei vielen Dingen feststellen, dass sie gar nicht sein m├╝ssen.

Und hab ich weniger gelesen? Nein, beileibe nicht, fast im Gegenteil! Ich hab die Wasserburger B├╝cherei abgegrast, so weit das interessant war. Orhan Pamuk entdeckt, was ganz toll ist, Alice Munro, die ich sehr sch├Ątze, ┬ákurz vor der Bekanntgabe des Nobelpreises gelesen und mir gedacht, ob sie ihn wohl je noch bekommt und ob sie es erlebt, ein paar Autoren zum ersten Mal gelesen und festgestellt, dass ich die nicht kaufen muss, mal wieder einen Donna Leon-Krimi gelesen… Aber leider ist f├╝r mich nach einem Jahr so ziemlich das Ende der Fahnenstange erreicht. Es gibt kaum Klassiker oder das, was mich interessiert. F├╝r eine Provinzbibliothek ist sie sicher sehr sch├Ân gestaltet und ausgestattet, wenn man Kinderb├╝cher oder Reisef├╝hrer sucht, aber zum wirklichen Lesen werde ich den Ausweis nicht verl├Ąngern. Daf├╝r gibt’s dann eher die Fernleihe in der Schule, auch wenn es immer etwas lang dauert. Aber das steigert die Vorfreude…

An der Qualit├Ąt des Lesens hat sich allerdings was ge├Ąndert. Ich bilde mir ein, dass ich langsamer und bewusster lese.┬á┬áIch erinnere mich besser an die einzelnen B├Ąnde, und erinnere mich auch daran, auf welchem Weg ich an sie gekommen bin. Es ist also schon eine Art Abwendung vom schnellen Konsum, vom┬áatemlosen und schnellen┬áDurchlesen. Das war auch etwas, was ich mir als Vielleserin schon lange gew├╝nscht habe: einen sinnvolleren und erf├╝llteren Umgang mit der Materie. Und weil keine Stapel an ungelesenen neugekauften lauerten, hatte ich auch die Musse, lang geliebte Sch├Ątze aus meinen Regalen in Ruhe wieder zur Hand zu nehmen┬á– auch etwas, was ich mir immer w├╝nsche…

Oh, eine kritische Situation gab es doch, und da muss ich zugeben, dass ich schwach wurde, weil die Gelegenheit so perfekt war: als ich an einem k├╝hlen,┬áklaren┬á┬áHerbstmorgen im September in Rosenheim in die Alexander – Ausstellung gehen wollte, bog ich auf den Hauptplatz und fand mich nichtsahnend in einem gigantischen B├╝cherflohmarkt wieder. Ich hatte Zeit, war allein – es w├Ąre dumm gewesen, da nicht zu st├Âbern, und es hat einfach unglaublich Spass gemacht. Drei wirklich schmale B├Ąndchen kamen mit nach Hause – darunter eins ├╝ber Igel├╝berwinterung (sehr n├Âtig hier!). Das Igelbuch ist das perfekte Wohnzimmertischbuch. Fast jeder meiner Sch├╝ler hat┬áes angeschaut, im Wechsel mit den Originalen auf der Terrasse. Das war eine lohnende Anschaffung, auf jeden Fall.

Und – dieses weniger B├╝cherkaufen war keine einmalige Aktion, kein Experiment, das nur auf ein Jahr beschr├Ąnkt ist. Ich m├Âchte so weiter machen, also wirklich bewusst unterscheiden, wem ich wertvollen Regalplatz gew├Ąhre und was vielleicht nur ein Impulskauf w├Ąre. Geht doch!