Die guten Vorsätze…

Januar ist eine gute Zeit, um Bilanz zu ziehen, wie und ob man seine Neujahrsvorsätze einhalten konnte. Ich wollte (praktisch…) keine Bücher kaufen und mehr aus der Bibliothek ausleihen. Natürlich heisst das nicht, dass sich die Bücherschar nicht doch durch unerwartete Geschenke vermehrt hat, das ist schon auch erstaunlich, wie da die besten Vorsätze nichts bringen… Aber aktiv habe ich wirklich kaum dazu beigetragen. Zwei Bücher übers Unterrichten für die Sommerferien mussten sein, aber das zählt ja als Weiterbildung. Und ganz aktuell noch eins, das ich sicher auch immer wieder zur Hand nehmen werde. Aber ansonsten war ich wirklich so brav, dass ich mich zu Weihnachten mit zwei wunderschönen antiquarischen Dickens-Ausgaben belohnt habe – den gibt es erstaunlicherweise weder in der Schulbibliothek noch in Wasserburg.

Und hat mir was gefehlt? Nein. Natürlich gibt es den Impuls, wenn man vielleicht frei hat und durch eine schöne Buchhandlung stromert, das ein oder andere Buch mitzunehmen, aber es hat direkt gut getan, solche spontanen Wünsche zu hinterfragen. Dabei konnte ich feststellen: wahrscheinlich sind die meisten Käufe aus so einer Gelegenheitslaune geboren. Würde man noch mal heimgehen und eine Nacht drüber schlafen, würde man sicher bei vielen Dingen feststellen, dass sie gar nicht sein müssen.

Und hab ich weniger gelesen? Nein, beileibe nicht, fast im Gegenteil! Ich hab die Wasserburger Bücherei abgegrast, so weit das interessant war. Orhan Pamuk entdeckt, was ganz toll ist, Alice Munro, die ich sehr schätze,  kurz vor der Bekanntgabe des Nobelpreises gelesen und mir gedacht, ob sie ihn wohl je noch bekommt und ob sie es erlebt, ein paar Autoren zum ersten Mal gelesen und festgestellt, dass ich die nicht kaufen muss, mal wieder einen Donna Leon-Krimi gelesen… Aber leider ist für mich nach einem Jahr so ziemlich das Ende der Fahnenstange erreicht. Es gibt kaum Klassiker oder das, was mich interessiert. Für eine Provinzbibliothek ist sie sicher sehr schön gestaltet und ausgestattet, wenn man Kinderbücher oder Reiseführer sucht, aber zum wirklichen Lesen werde ich den Ausweis nicht verlängern. Dafür gibt’s dann eher die Fernleihe in der Schule, auch wenn es immer etwas lang dauert. Aber das steigert die Vorfreude…

An der Qualität des Lesens hat sich allerdings was geändert. Ich bilde mir ein, dass ich langsamer und bewusster lese.  Ich erinnere mich besser an die einzelnen Bände, und erinnere mich auch daran, auf welchem Weg ich an sie gekommen bin. Es ist also schon eine Art Abwendung vom schnellen Konsum, vom atemlosen und schnellen Durchlesen. Das war auch etwas, was ich mir als Vielleserin schon lange gewünscht habe: einen sinnvolleren und erfüllteren Umgang mit der Materie. Und weil keine Stapel an ungelesenen neugekauften lauerten, hatte ich auch die Musse, lang geliebte Schätze aus meinen Regalen in Ruhe wieder zur Hand zu nehmen – auch etwas, was ich mir immer wünsche…

Oh, eine kritische Situation gab es doch, und da muss ich zugeben, dass ich schwach wurde, weil die Gelegenheit so perfekt war: als ich an einem kühlen, klaren  Herbstmorgen im September in Rosenheim in die Alexander – Ausstellung gehen wollte, bog ich auf den Hauptplatz und fand mich nichtsahnend in einem gigantischen Bücherflohmarkt wieder. Ich hatte Zeit, war allein – es wäre dumm gewesen, da nicht zu stöbern, und es hat einfach unglaublich Spass gemacht. Drei wirklich schmale Bändchen kamen mit nach Hause – darunter eins über Igelüberwinterung (sehr nötig hier!). Das Igelbuch ist das perfekte Wohnzimmertischbuch. Fast jeder meiner Schüler hat es angeschaut, im Wechsel mit den Originalen auf der Terrasse. Das war eine lohnende Anschaffung, auf jeden Fall.

Und – dieses weniger Bücherkaufen war keine einmalige Aktion, kein Experiment, das nur auf ein Jahr beschränkt ist. Ich möchte so weiter machen, also wirklich bewusst unterscheiden, wem ich wertvollen Regalplatz gewähre und was vielleicht nur ein Impulskauf wäre. Geht doch!

3 Gedanken zu „Die guten Vorsätze…

  1. Liebe Martina,

    sehr brav! Ich nehme mir so schwierige Dinge gar nicht erst vor. Das mit dem überschlafen hilft meist garnichts; wenn ich beim Hieber vor der Ramschkiste stehe, denke ich „du brauchst die Friemann Ausgabe der Copin Preludes nicht, du hast ja schon …… und spielen kannst du sie sowieso nicht“. Am nächsten Morgen muss ich dann der Elli schreiben, sie soll mal beim Hieber schauen ob die vielleicht die Friedmann-Ausgabe noch haben. Da ich fast nur antiquarisch einkaufe, sitzt mir ständig die Angst im Nacken, daß mir ein anderer Verrückter zuvorkommt, so geschehen bei Hans von Bülow, Briefe und Schriften Band …, unglaublich. Zwar habe ich mittlerweile fast alle alten Klavierbücher im Regal, aber leider wurde mein Jagdtrieb bei Any Amount Of Books in neue Gefielde gelenkt – Besserung bei Büchern ist also nicht in Sicht, aber wenigstens habe ich das Gefühl, daß meine CD-Sammlung nur noch geringer Ergänzungen bedarf.
    Es soll Leute geben, die nicht mehr als hundert Gegenstände in ihrem Besitz haben wollen, als erstes trennen sie sich von Büchern und CDs – ausgerechnet die Sachen, die ständig Freude machen. Ich will gar nicht zu ihnen gehören.

    Viele Grüße
    Wolfgang

  2. Ja ja, vor den „anderen Verrückten“ muss man sich schon hüten, gell!
    Aber ich kann Deine „Sucht“ absolut nachvollziehen. Und Du hast ja stabile Regale… Und das Konzept mit den hundert Besitztümern: ich spiel es gern im Geist durch, um rauszufinden, was mir wirklich wichtig wäre. Der Rest kann ja da bleiben, aber es ist interessant, mit so einem radikalen Ansatz herauszufinden, was einem wirklich am Herzen liegt.
    Auch viele Grüsse! Martina

  3. wenn man Sommer-, Winter-, Allwetter-Gewand, Bettzeug, Kochsachen, Werkzeug und so von Hundert abzieht, bleibt für Kultur wohl nur noch das Klavier und der PC über. Natürlich kann man Bücher herunterladen oder den Bildschirm auf das Notenpult stellen, aber ob das wirklich Spaß macht?
    Das 100-Dinge Ding mag ja praktisch sein für Wanderarbeiter und von der Polizei gesuchte Übeltäter, aber ich sesshaftes Landei muss ja nicht alle halbe Jahre umziehen, da kann ich schon einer größeren Anzahl gebrechlicher alter Bücher und Notenhefte Asyl gewähren, damit sie nicht mehr in muffigen Kellern unbeachtet herumliegen oder gar in der Ramschkiste vor dem Hieber frieren müssen.

    Viele Grüße
    Wolfgang

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.