Die Tapferen

12. Mai, 201508:31 von

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DSCF8093Bei meinem Vorspielabend im Gymnasium ergab sich etwas, das ich noch nie erlebt habe: alle Jungen kniffen. Teils mit den umstĂ€ndlichsten Ausreden ĂŒber bisher nie erwĂ€hnte AktivitĂ€ten am Montagabend, teils immerhin mit der ehrlichen Aussage, Angst zu haben. Was soll ich da machen – ich will und kann niemand zwingen.

Von meinen zwanzig MÀdchen sagte mindestens die HÀlfte, dass sie auch Angst haben, es aber trotzdem machen.

Und wie schön sie gespielt haben! Ich bin immer so stolz und glĂŒcklich, wenn sie derartig ĂŒber sich hinauswachsen. Man braucht ein Publikum, um zu erfahren, wozu man wirklich fĂ€hig ist. Und viele waren wirklich noch mal viel, viel besser, als ich geahnt habe. Der Anlass war auch feierlicher und schöner als die normalen Vorspiele in der Schule – das ist Pflicht und wie Schulaufgabe, aber oft wird nicht all zu viel Herz hineingelegt. Das war jetzt eigentlich die grösste Überraschung: wie gefĂŒhlvoll und ausdrucksvoll sie doch gestalten können. Und wie sie sich voll und ganz einbringen, in ihrer widersprĂŒchlichen pubertĂ€ren Art: eine Elfe mit langen blonden Haaren und einem zarten weissen HĂ€keltop traktierte den FlĂŒgel, dass der Deckel nur so wackelte. Und die ganz Toughe in der schwarzen Lederjacke und der abgerissenen Jeans spielte eine so gefĂŒhlvolle, empfindsame Mondscheinsonate, dass man sie in einem anderen Aufzug schnurstracks in einen Jane – Austen – Film hĂ€tte setzen können.

Und diese Haltung „ich hab Angst, ich mach’s trotzdem“: ich bin ĂŒberzeugt, dass ohne diesen spezifisch weiblichen Mut die Menschheit lĂ€ngst ausgestorben wĂ€re. Hut ab!