Dinosaurier

18. November, 201408:25 von

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Vom Alter her k├Ânnten die meisten meiner Sch├╝ler/innen meine Kinder sein. Es gibt Momente, da ist die Kluft gering – wenn sie mich nach meinem Parf├╝m fragen, oder was ich da f├╝r einen Tee trinke, weil der ganze Raum nach Zitrone riecht, oder ich eine Meinung zu auf dem Handy gezeigten Kleidern abgeben soll. Meine Sch├╝ler erkl├Ąren mir mitleidig – geduldig technische Details zu allen m├Âglichen elektronischen Wiedergabeger├Ąten oder ├╝berhaupt zu ihrer Welt. Was wir voneinander lernen, ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Da kann schon mal die Illusion entstehen, dass man sich doch nicht zu fern ist.

Gestern wurde ich knallhart auf den Boden der Tatsachen┬ágeholt. In der „S├╝ddeutschen“ vom Wochenende┬áwurde Hugh Grant gefragt, was er im Leben am meisten bereut. Und? Dass er mit elf aufgeh├Ârt habe, Klavierstunden zu nehmen. Ha! War ja klar, dass ich das an jeder erdenklichen Gelegenheit anbringen w├╝rde diese Woche. Gestern waren zwei f├╝nfzehnj├Ąhrige M├Ądchen bei mir, die nach dem Wechsel vom musischen zum sprachlichen Zweig trotzdem noch Klavier spielen, was mich enorm freut. Als sie zwischen den Stunden mit ihren Jacken besch├Ąftigt waren, dachte ich, es ist Zeit f├╝r die Hugh-Grant-Geschichte, auch zur Aufmunterung, weil sie eben seinen Fehler nicht machen, und frage vergn├╝gt: „Kennt Ihr Hugh Grant?“ Zwei fragende, v├Âllig blanke Gesichter schauen mich an (den Gesichtsausdruck kenne ich – sie erwarten, dass ich wieder mit obskuren Komponisten ankomme, von denen sie eh noch nie geh├Ârt haben). Und mir d├Ąmmert es: die F├╝nfzehnj├Ąhrigen von heute┬á – kennen Hugh Grant ├╝berhaupt nicht.

Ich komme mir furchtbar alt vor. Und bin ziemlich ern├╝chtert. Es ist doch so: wenn ich bei der Vorstellung, Hugh Grant k├Ânnte beschliessen, wieder mit dem Klavierspielen anzufangen, und dazu realistischerweise nach Wasserburg kommen will, Herzklopfen und berechtigte schlaflose N├Ąchte kriege – dann stellt mich das auf eine Stufe mit meiner Oma, die vielleicht vom jungen Johannes Heesters erz├Ąhlt. Das bringt mich mehr in die Realit├Ąt, als wenn meine Friseuse sagt: „im Moment k├Ânnen Sie das noch mit Henna ├╝berdecken, aber irgendwann m├╝ssen wir uns was ├╝berlegen…“ Diese F├╝nfzehnj├Ąhrigen k├Ânnten meine Enkelinnen sein. So ist das Leben.

(Foto)