Ausflug nach Kleinasien

5. Oktober, 201308:32 von

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Als wir in der Schule ├╝ber Alexander den Grossen gesprochen haben, muss ich die ganze Zeit unter der Bank Schiffleversenken gespielt haben – bis auf den dummen Merkspruch zur Schlacht bei Issos verbinde ich nichts mit ihm. Letzten Winter hatte ich ja seltsame Gel├╝ste, Agatha-Christie-artig auf dem Landweg nach Mesopotamien zu reisen und deswegen in der B├╝cherei Bildb├Ąnde ├╝ber die Gegend ausgeliehen. Und festgestellt, dass Persien auch ganz faszinierend ist. Die Ruinen von Persepolis haben mich besonders ber├╝hrt, die S├Ąulen mitten in der W├╝ste, die wunderbar feinen Reliefs… Und nat├╝rlich kommt man bei so einer Lekt├╝re nicht am Namen dessen vorbei, der diese alte K├Ânigssstadt schon vor Jahrtausenden zerst├Ârt hat.

Kurioserweise hat der Lokschuppen Rosenheim jetzt eine grosse Ausstellung ├╝ber diesen selbstbewussten und risikofreudigen Feldherrn konzipiert – ich weiss nicht genau, ob und welche Verbindung es von hier nach Kleinasien gibt… Alexander als Krieger und Landeroberer interessierte mich nicht so sehr. Und die Parallelen zu anderen gr├Âssenwahnsinnigen Machthabern des 20. Jahrhunderts sind zu beunruhigend.
Trotzdem┬áwollte ich┬ádie Ausstellung sehen, da zahlreiche arch├Ąologische Fundst├╝cke aus der Zeit angek├╝ndigt waren, zusammengetragen von Museen aus ganz Europa: M├╝nchen und Berlin ebenso wie Paris, das British Museum oder das Ashmolean in Oxford. Das alles an einem Ort┬ábetrachten zu k├Ânnen, rechtfertigt den happigen Eintrittspreis, bei dem ich erst schluckte – an der Ausgangst├╝r, ganz erf├╝llt und gebannt von allem, was ich hatte sehen d├╝rfen, dachte ich nur: unglaublich, das war es mindestens wert.

Ich bin einfach mehr als gl├╝cklich, wenn ich vor jahrtausendealten persischen Trinkgef├Ąssen stehe, wundersch├Ânen Goldschmuck aus Babylon sehe und mich von winzigen Keilschrifttafeln oder Rollsiegeln nur eine Glasschicht trennt. Schon ein einziges solches St├╝ck k├Ânnte mich v├Âllig verzaubern wegen der Geschichten, die sich darum ranken. Und dann so eine F├╝lle! Und: ich bin vor so einem Relief aus Persepolis gestanden! Hier, eine halbe Stunde vor der Haust├╝r! Was es nat├╝rlich auch in H├╝lle und F├╝lle gab, waren Helme, R├╝stungsteile, Speerspitzen, bei denen mich wunderte, wie gut sie erhalten waren. Ein Ausschnitte aus dem Alexander-Film von Oliver Stone zeigte eindringlicher als jedes Geschichtsbuch und jede Vasenmalerei, wie unfassbar brutal die Kriegsf├╝hrung mit Bogensch├╝tzen und Streit├Ąxten im Nahkampf war (das kam mir vor wie im Klavierunterricht: eine halbe Minute vorspielen, eine halbe Minute Film hinterl├Ąsst einen┬ábleibenderen Eindruck als viele Worte.)

Ein kleines Detail zu Alexander hab ich auch gelernt: er hat am gleichen Tag Geburtstag wie ich. Da sieht man mal wieder, dass an astrologischer Charakterdeutung nicht viel dran sein kann. Ausser einer gewissen Reiselust sind wir uns nicht sehr ├Ąhnlich – ich hatte noch nie Anwandlungen, in Kleinasien einzufallen, und meine ├ťberzeugung, dass es ein „genug“ gibt, hat er ganz offensichtlich nicht geteilt…

Also: wer in der Region wohnt, sich nicht scheut, 13 Euro zu investieren und vielleicht auch ein bisschen aus dem Geschichtsunterricht nachholen muss, dem sei die Ausstellung in Rosenheim ans Herz gelegt. Es ist ein angenehmes Nachsitzen, und es ist noch bis zum 3. November m├Âglich.

(Abbildungen: http://www.cais-soas.com/CAIS/Images2/Achaemenid/Persepolis/persepolis_apadana3.jpg

http://www.lokschuppen.de/alexander-der-grosse/ausstellungsfotos.html