Sommerkonzert 2013

10. Juli, 201308:27 von

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Urspr├╝nglich hatte ich mir vorgenommen, in dieser neuen Stadt jedes Jahr einen neuen attraktiven Ort f├╝r unser Sommerkonzert auszuw├Ąhlen.┬áVor zwei Jahren┬ágenossen wir einen romantischen Abend mit fast s├╝dfranz├Âsischem Flair in einem gelben Schl├Âsschen. Letztes Jahr spielten wir, hervorragend bewirtet, in der Schrannne in Wasserburgs historischem Rathaus. Doch dieses Jahr war alles dermassen perfekt, dass ich fast denke, wir sind am Ziel unserer Tr├Ąume angelangt. Abwechslung ist sch├Ân und gut, aber ein hervorragender Fl├╝gel, eine richtige B├╝hne und eine perfekte Organisation im Hintergrund sprechen f├╝r sich. Vielleicht sollten wir uns um┬áVariationen im Programm und beim Buffett k├╝mmern und den Rest einfach so┬ávollkommen lassen, wie er diesmal war?

Der Festsaal des Inn-Salzach-Klinikums ist einer der besten Konzerts├Ąle hier, in dem auch regelm├Ąssig der Wasserburger Klaviersommer stattfindet. Es war vielleicht etwas vermessen, sich hier mit Klaviersch├╝lerInnen einzunisten, aber wo sollen sie es sonst lernen? Und das Klinikum ist absolut aufgeschlossen und entgegenkommend, nimmt einem auf wunderbare Weise sogar die ganze Werbung und den Getr├Ąnkeausschank ab. Und macht mir meinen Vorsatz, in Zukunft mehr zu delegieren, einfacher…

Die Konzerte sind nat├╝rlich auch f├╝r die Patienten gedacht – f├╝r uns eine wunderbare Art, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Wie ich h├Ârte, k├Ânnen Sonntagnachmittage in der Klinik, wenn keine Therapien sind, sehr lang werden. Und wir waren dankbar f├╝r ein so zahlreiches und enthusiastisches Publikum. Nach dem ersten Schock, ehrlich gesagt… Als ich nach unserer Einspielprobe die T├╝r zum Foyer ├Âffnete und Stimmenraunen und Massen an unbekannten Erwachsenen wahrnahm, dachte ich erst, ich sei im falschen Film, wie sich meine Sch├╝ler ausdr├╝cken. Ich hatte mit 40 Zuh├Ârern, also Eltern und Grosseltern, gerechnet. Entsprechend viele St├╝hle waren aufgebaut. Wir brauchten noch mal so viele und trotzdem sassen manche Leute auf dem Boden oder den Fensterbrettern. Ein anderer Schock war, dass manche dachten, ich w├╝rde selber spielen, obwohl das Ereignis klar als Sch├╝lerkonzert deklariert war… Aber dann fiel mein Blick aufs B├╝ffett, auf dem ich eine Stunde vorher meine Muffins abgestellt hatte. Auf wundersame Weise hatten sie sich auf der Sommertischdecke vermehrt, wunderh├╝bsch verziert mit Lavendelbl├╝ten oder Thymianzweigchen und herrlichen roten Gartenrosen, und diese ├╝ppige F├╝lle, dieses sichtbare Engagement der Eltern beruhigte mich und┬áliess mich sp├╝ren:┬áalles wird gut.

Und das wurde es auch! Auch wenn die Programme bei weitem nicht reichten und ich die versprochenen Ank├╝ndigungen im Eifer des Gefechts manchmal vergass, wusste doch jeder, wann er dran war. Und ich konnte mich zur├╝cklehnen. Wie immer, gl├╝cklicherweise. Ich kann in der Vorbereitung penibel sein und meinen Sch├╝lern Wochen vorher schon auf die Pelle r├╝cken – daf├╝r l├Ąuft dann am grossen Tag alles wie am Schn├╝rchen. Und ich wusste: wenn ich eine ├Ąltere Sch├╝lerin bitten w├╝rde, drauf zu achten, dass jeder weiss, wann er dran ist, k├Ânnte ich rausgehen und das Konzert w├╝rde von selber seinen Lauf nehmen. Und ich k├Ânnte mich drauf verlassen, dass jeder sein Bestes gibt und sich danach auch ordentlich verbeugt.

├ťberhaupt, diese ungewohnt professionelle Konzertatmosph├Ąre und der laute und anhaltende Applaus holten aus jedem Sch├╝ler noch mal mehr raus. Es wurden Kr├Ąfte mobilisiert, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Und jeder spielte so ernsthaft und mit so viel Liebe zur Musik, dass ich einfach gl├╝cklich war. Es gibt ja durchaus im Alltag Unterrichtsstunden, bei denen man nicht weiss, ob man gleich den Vorschlag machen soll, die Sache zu beenden, oder noch mal dr├╝ber schlafen… Oder Winterwochen, in denen sich alles furchtbar hinzieht und sich nichts mehr zu bewegen scheint. Und dann sieht man auf einmal seine kleine Truppe mit etwas Abstand und merkt: jeder hat sich doch sehr entwickelt in dem Jahr, und jeder weiss, wie er sich auf der B├╝hne zu verhalten hat, und vor allem: jeder kann auf seinem jeweiligen Niveau ordentlich Klavier spielen. Unwillk├╝rlich kam mir ein seltsames Bild: ich f├╝hlte mich wie eine Gr├╝nlilie mit vielen Ablegern. Manche noch ganz zart und klein, manche schon zum Abfallen fertig mit perfekt entwickelten Wurzeln. Es ist einfach sch├Ân, sich und seine Werte in seinen Sch├╝lerInnen weiterleben zu sehen.

Und auch zu sehen, wie gern sie Musik machen: die zwei ├ältesten unterhielten uns beim Umtrunk unaufgefordert und v├Âllig frei mit einer halben Stunde Musik, schnappten sich dann ein Vierh├Ąndigheft von mir und legten los mit Boogies… Nach dem Motto: nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Und so wird es auch in den letzten Schulwochen weitergehen!