Mein gechilltester Arbeitstag

April 23, 2016

Letzten Mittwoch wurde ich abgeordert, unsere SchĂŒler auf der Busfahrt zur jĂ€hrlichen Chor- und Orchesterprobenphase zu beaufsichtigen, da alle anderen Musiklehrer schon vor Ort waren. Aus rechtlichen GrĂŒnden kann man wohl nicht 108 MinderjĂ€hrige allein den beiden Busfahrern aufs Auge drĂŒcken. Super, dachte ich bei mir. Das wird wieder eine Aktion der Marke “ich wĂŒrd doch […]

Drei Hochzeiten und vierzehn TodesfÀlle

April 15, 2016

KĂŒrzlich habe ich Jane Austen’s “Emma” wieder gelesen. Die Heldin wird gefragt, wie sie sich das Alter als unverheiratete Frau vorstellt und sie antwortet so ungefĂ€hr, dass sie, wenn sie das betagte Alter von ĂŒber 40 erreichen sollte, wahrscheinlich mit Handarbeiten auf dem Sofa sitzen wĂŒrde. Allen Aussagen wie “50 ist das neue 30″ etc. […]

Zeit als Raum

MĂ€rz 21, 2016

Meine Erwachsenen halten mich auf Trab. Einmal zeitlich, weil sie einfach (fast) immer erscheinen und meine Unterrichtstage voller sind als geplant. Aber hauptsĂ€chlich gedanklich. Vor und nach dem Unterrichten beschĂ€ftigen mich ihre so komplett unterschiedlichen BedĂŒrfnisse und Herangehensweisen mehr als erwartet und ich bin stĂ€ndig am Überlegen, wie ich mich noch besser um sie kĂŒmmern […]

Noch eine Falle…

Februar 26, 2016

Vor ein paar Jahren habe ich ĂŒber eine typische Falle von SelbstĂ€ndigen geschrieben: weiter arbeiten, auch wenn man krank ist. Inzwischen tappe ich munter in einer anderen herum: mehr Arbeit annehmen, als gut ist, denn es könnten ja mal schlechtere Zeiten kommen. Das Seltsame daran: ich bin mir bewusst, was ich tue, und spĂŒre auch, […]

Spass mit FĂŒnftonlagen

Februar 2, 2016

Es ist immer wieder erstaunlich, in welchem Zickzackkurs Lernen verlĂ€uft. Man erklĂ€rt, macht vor, lĂ€sst den SchĂŒler nachspielen, wiederholt, beleuchtet die Sache von einem anderen Blickwinkel, wiederholt wieder, gibt fĂŒr eine Woche die Hoffnung auf, erklĂ€rt noch mal, lĂ€sst noch mal vormachen, ĂŒberlegt, ob man nicht doch noch Architektin werden soll, erklĂ€rt trotzdem noch mal […]

Investitionen

Januar 16, 2016

Nachdem ich mit einem hauptsĂ€chlich cellospielenden KlavierschĂŒler ein Saint-Saens – KonzertstĂŒck lĂ€nger als geplant geprobt hatte, meinte seine Mutter beim Abholen: “Warum tun Sie das? Sie verschenken ihr Talent an die Kinder.” Mit uns beiden, ihm, der nĂ€chsten SchĂŒlerin und dem Cellokasten ist unser Flur gestopft voll. Ich bin noch völlig eingehĂŒllt in die herrliche Musik, […]

Staunen

Dezember 19, 2015

Nachdem mich meine kleinen SchĂŒler gnadenlos ĂŒber die Nicht-Existenz von Nikolaus, Engeln und anderen himmlschen Gestalten aufgeklĂ€rt hatten, war ich ein paar Tage doch ernĂŒchtert. Und dachte, die MĂ€rchenzeit, die ganz verzauberte Kinderzeit, endet inzwischen wahrscheinlich auch frĂŒher als noch in meiner Kindheit. Und dass ich es vielleicht einfach hinnehmen muss. Aber dann – war ich […]

Wunder

Dezember 1, 2015

Manchmal werden Kinderchen zu mir gebracht, die schlapp und gummiartig am Arm ihrer Mutter hĂ€ngen und sich kaum mehr auf eigenen Beinen halten können. Bilder des Jammers. (Fortgeschritten in der Kunst des Simulierens?) WĂ€hrend sie irgendwo in Nabelhöhe von Erwachsenen den Kopf hĂ€ngen lassen, erklĂ€ren mir die MĂŒtter, dass es XY heute gar nicht gut geht […]

Mehr Nebel, bitte!

November 14, 2015

Meine Sonntagszeitung und ich haben eine besondere Beziehung: ich kann schwer ohne sie leben, aber manchmal muss sie sehr geduldig warten, bis sie zu Ende gelesen wird. Oft ĂŒber den nĂ€chsten Sonntag hinaus. Aber ich will mir ja nichts entgehen lassen, also schlug ich heute morgen eine Seite im Wissenschaftsteil um und – hatte einen […]

Wo bleibt der Nebel?

November 11, 2015

“FrĂŒher, als ihr noch lange nicht auf der Welt wart und die Tante noch jung, da gab es richtig dunkle, kalte Herbsttage, an denen man es sich zuhause gemĂŒtlich machte. Manchmal lag im November schon Schnee. Auf jeden Fall gab es viel, viel Nebel. Morgens ĂŒber dem kleinen Fluss unten im Tal, oder abends, wenn es […]