…was ohne Noten

26. März, 201508:00 von

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DSCF6027Es gibt Tage in meinem Leben, die vom Aufstehen bis zum Zuklappen des Klavierdeckels irgendwann am Abend derartig angefüllt sind mit Musik, dass ich in diesem letzten erschöpften Moment oft denke: „ich kann keine Noten mehr sehen“. Und nur noch froh bin über ein, zwei Stunden Stille, bevor mich im Traum das ganze Zeug wieder beschäftigt. Am nächsten Morgen ist alles wieder gut und ich will als erstes ans Klavier, bevor ich irgendwas anderes mache. Aber wie in jeder engen Beziehung gibt es zwischendurch Durchhänger oder das Gefühl, man braucht mal eine richtige Pause.

Jetzt ist ein kleiner Exkurs nötig: seit ich die Philosophin und Journalistin Carolin Emcke für mich entdeckt habe, verschlinge ich jedes Wort von ihr. Wegen ihr, die früher bei der „ZEIT“ geschrieben hat und jetzt eine Kolumne in der Süddeutschen hat, bin ich sogar meiner Lieblingszeitung untreu geworden und wenigstens am Wochenende zur Süddeutschen übergelaufen (inzwischen gab es schon kaum mehr handlebare Wochenenden mit zwei so gehaltvollen Zeitungen – das überfordert mich aber). Ich bin sogar so ein grosser Fan, dass ich ab und zu gucke, was sie auf Twitter schreibt. Kürzlich stand da, ohne Satzzeichen und anscheinend am Rand eines ähnlichen Gefühls, wie ich es an dem Tag mit den Noten hatte: „im nächsten Leben mach ich was ohne Buchstaben“

Ich musste so grinsen. Dass eine so wortgewaltige Frau grade noch zu dieser Aussage fähig ist… (Bei der man gleich protestieren will: aber bitte in diesem Leben noch weiterschreiben!) Ich kenne das. Sie hat mein volles Mitgefühl.

Und morgen geht’s dann auch wieder.