Zauberei?

27. Januar, 201509:24 von

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DSCF7940Am Wochenende war ich in Leipzig und habe in der Thomaskirche ein paar Meter von Bachs Grab eine Kerze angez├╝ndet. W├Ąhrend ich den neuen Docht an einen brennenden hielt, ├╝berlegte ich, f├╝r was ich dankbar sein will. Und konnte mich nicht festlegen, weil mein Kopf und mein Herz so ├╝bervoll sind mit St├╝cken von Bach, eines sch├Âner, tr├Âstlicher und┬ábeseligender als das andere. Und ich beschloss, ihm einfach f├╝r seine Existenz zu danken. Ohne ihn w├Ąre mein┬á ganzes Leben anders. Leerer und trauriger, und zu manchen Zeiten schlicht gar nicht m├Âglich gewesen. Und dieses Bewusstsein, diese wirklich innige Dankbarkeit beim Gedenkkerzeanz├╝nden, war auch was Neues f├╝r mich. Wenn ich an meine anderen Toten denke, ist immer ein St├╝ck Bedauern oder sogar noch Trauer mit dabei. Hier war ich einfach nur von Herzen dankbar, dass es ihn gegeben hat. Vielleicht kann man das f├╝r die anderen irgendwann auch empfinden, vorzugsweise bevor ein paar Jahrhunderte vergangen sind?

Es war eine besondere und ber├╝hrende Erfahrung f├╝r mich. Am n├Ąchsten Tag dachte ich, ich k├Ânnte sie mit einer verst├Ąndigen und eigentlich sensiblen Sch├╝lerin teilen, die ein Bach-Pr├Ąludium ge├╝bt hatte. W├Ąhrend sie die Noten aufschlug, erz├Ąhlte ich ihr, dass ich eben gestern an seinem Grab eine Kerze angez├╝ndet habe. Und dass sie vielleicht noch brennt. Und sie?

„Geil.“

W├Ąhrend sie die H├Ąnde ├╝ber die Anfangst├Âne legt:

„Vielleicht hilft’s.“