Wasser!

29. Juli, 201408:51 von

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DSCF6601Und dann kam mein Geburtstag. Da es ein Sonntag war, habe ich mir einen Tag am Wasser gew√ľnscht. Und gleich noch eine √úbernachtung davor dazu, weil es doch nichts Netteres gibt, als sich am Geburtstag an einen fertig gedeckten Fr√ľhst√ľckstisch zu setzen, oder?

Da ab jetzt ja nur noch mit Frau Lipps Buch verreist wird, wenn es vor die Haust√ľr geht, hatte ich die Qual der Wahl: es gibt ein ganzes Kapitel √ľber Lieblingspl√§tze mit Wasser im Salzburger Land, einer¬†ansprechender als der andere. Aber – warum auch hier nicht gleich klotzen und mit dem Superlativ anfangen? Jeder ausser mir scheint die Krimmler Wasserf√§lle zu kennen, und so war es h√∂chste Zeit, sie zu besuchen, bevor ich noch ein Jahr √§lter werde.

Ein Blick auf die Karte ergab: zwischen den Kitzb√ľheler Alpen und den Hohen Tauern liegt¬†ein Tal, durch das man nach Krimml kommt. Es war atemberaubend, kurz hinter der Passh√∂he vom Pass Thurn zum ersten Mal anzuhalten, ein paar Schritte an frei weidenden K√ľhen mit Glocken um den Hals vorbei¬†in die Wiese zu gehen und dann diesen umwerfenden Ausblick zu haben. Ich weiss auch nicht, wie es kommt, dass mir die Berge auf einmal gefallen. Aber so viel Sch√∂nheit ein paar Kilometer von zuhause haut mich um. Und dann fand sich ein munter sprudelndes, eisiges B√§chlein mit genau passenden grossen Steinen zum Draufsitzen. Alles war noch k√ľhl im Picknickkorb, weil wir noch nicht so weit von daheim weg waren. Aber der Ausblick beim Essen √ľber die gr√ľnen Wiesen und den¬† strahlend blauen Himmel war derartig sch√∂n, dass es mir direkt im Herz zieht, wenn ich jetzt dran denke.

DSCF6618Im Tal liegt Hollersbach¬† – da empfiehlt Franziska den Kr√§utergarten. Er ist wirklich einen Besuch wert, vor allem in der warmen Abendstille, wenn¬†ausser Bienen niemand mehr da ist und man in aller Ruhe zwischen den 500 Pflanzenarten wandeln kann. Was mich aber noch mehr fasziniert hat, war das Klausnerhaus am Eingang zum Garten, in dem es Informationen zur Anlage und speziell zum Holler gibt. Wir hatten gegen√ľber an der Kirche geparkt, und kaum hatte ich mich umgedreht, f√ľhlte ich mich von der Pr√§senz des jahrhundertealten beh√§bigen Hauses gefangen. So eine Pr√§senz und Pers√∂nlichkeit, dass ich fast denke, ich h√§tte es auch gesp√ľrt, wenn ich nicht hingeschaut h√§tte – eines dieser ganz aussergew√∂hnlichen H√§user, das durch die Zeiten und Jahrhunderte an seinem Platz steht und irgendwie die Ausstrahlung einer dick und zufrieden daliegenden Katze hat (die aber blinzelt und durchaus Kontakt aufnimmt.) Selten habe ich ein Haus mit so viel Charakter erlebt, so einladend und verheissungsvoll. Und die breiten, ganz an die Wand geschnuckelten Holzb√§nke davor¬† – mei.

Und es gibt noch was Besonderes in Hollersbach: ein wundersch√∂nes, k√ľhles Naturschwimmbad. Kein Chlor, aber Fische. Und eine grosse Liegewiese. Es war die Art Sommerabend, an dem man den Badeanzug aus dem Handschuhfach nimmt und ohne Handtuch oder sonst was einfach schwimmen geht und danach auf der Wiese trocknet. Ein Geschenk von einem Abend!

Auf halben Weg von Mittersill hoch zum Pass Thurn fanden wir eine Pension. Ein h√ľbsches kleines H√§usle, nur zwei Zimmer breit, aber hoch mit dunklen verzierten Holzbalkonen, die √ľber und √ľber mit Petunien beh√§ngt waren. Eine freundliche Zimmerwirtin, die uns bei unserer Ankunft in ihre eigene K√ľche bat, weil sie grade Johannisbeermarmelade auf dem Herd hatte. Und vom schnuckligen Zimmerchen aus und vor allem dem S√ľdbalkon davor schon wieder eine herzziehend sch√∂ne Aussicht auf die Berge nach S√ľden. Den ich am Geburtstagsmorgen ausgiebig genoss – was f√ľr ein Tagesbeginn!

DSCF6639F√ľr die Krimmler Wasserf√§lle verspricht das Buch, dass man am K√ľrsingerplatz ohne passende Kleidung innerhalb weniger Minuten bis auf die Haut nass wird. Nichts wie hin! Bei vorhergesagten 32 Grad war die Devise: das d√ľnnste Sommerkleidchen anziehen und so nah wie m√∂glich rangehen. Und es war genial! Man wird wirklich von der Gischt wunderbar k√ľhl eingenebelt und hat kleine Wassertr√∂pfchen auf der Haut und¬†den Haaren – perfekt.¬†¬†Oberhalb der zweiten Fallstufe fanden wir eine Stelle, an der man direkt ans und ins Wasser kann. Alles Vorhergehende war¬†derart wild und strudelig, dass niemand auf die Idee k√§me, auch nur in die N√§he zu wollen. Aber da oben gibt es ein breites Flussbett mit riesigen rundgeschliffenen Steinen, auf denen wir rumgeturnt sind. Die Ache ist eisig und reissend, und es war das gr√∂sste Geburtstagsvergn√ľgen, da drin zu sitzen.

Fazit: es muss nicht Bali sein. Nur zwei Tage in der N√§he von zuhause k√∂nnen einen unglaublichen Erholungseffekt haben, wenn sie einen derartigen landschaftlichen Tapetenwechsel bieten wie dieser Ausflug. Dank des Wetters waren es Sommertage wie aus dem Bilderbuch, mit allem, was dazu geh√∂rt. Sollte es jetzt den Rest des Sommers regnen, w√§re ich vers√∂hnt, weil ich ihn trotzdem mit allen Sinnen sp√ľren durfte: Freibad, Johannisbeermarmelade, Bienen im Lavendel, F√ľsse im eiskalten Gebirgsbach und gleichzeitig Sonnenbrand auf den Schultern – mehr kann man nicht verlangen.