Wasser!

DSCF6601Und dann kam mein Geburtstag. Da es ein Sonntag war, habe ich mir einen Tag am Wasser gewünscht. Und gleich noch eine Übernachtung davor dazu, weil es doch nichts Netteres gibt, als sich am Geburtstag an einen fertig gedeckten Frühstückstisch zu setzen, oder?

Da ab jetzt ja nur noch mit Frau Lipps Buch verreist wird, wenn es vor die Haustür geht, hatte ich die Qual der Wahl: es gibt ein ganzes Kapitel über Lieblingsplätze mit Wasser im Salzburger Land, einer ansprechender als der andere. Aber – warum auch hier nicht gleich klotzen und mit dem Superlativ anfangen? Jeder ausser mir scheint die Krimmler Wasserfälle zu kennen, und so war es höchste Zeit, sie zu besuchen, bevor ich noch ein Jahr älter werde.

Ein Blick auf die Karte ergab: zwischen den Kitzbüheler Alpen und den Hohen Tauern liegt ein Tal, durch das man nach Krimml kommt. Es war atemberaubend, kurz hinter der Passhöhe vom Pass Thurn zum ersten Mal anzuhalten, ein paar Schritte an frei weidenden Kühen mit Glocken um den Hals vorbei in die Wiese zu gehen und dann diesen umwerfenden Ausblick zu haben. Ich weiss auch nicht, wie es kommt, dass mir die Berge auf einmal gefallen. Aber so viel Schönheit ein paar Kilometer von zuhause haut mich um. Und dann fand sich ein munter sprudelndes, eisiges Bächlein mit genau passenden grossen Steinen zum Draufsitzen. Alles war noch kühl im Picknickkorb, weil wir noch nicht so weit von daheim weg waren. Aber der Ausblick beim Essen über die grünen Wiesen und den  strahlend blauen Himmel war derartig schön, dass es mir direkt im Herz zieht, wenn ich jetzt dran denke.

DSCF6618Im Tal liegt Hollersbach  – da empfiehlt Franziska den Kräutergarten. Er ist wirklich einen Besuch wert, vor allem in der warmen Abendstille, wenn ausser Bienen niemand mehr da ist und man in aller Ruhe zwischen den 500 Pflanzenarten wandeln kann. Was mich aber noch mehr fasziniert hat, war das Klausnerhaus am Eingang zum Garten, in dem es Informationen zur Anlage und speziell zum Holler gibt. Wir hatten gegenüber an der Kirche geparkt, und kaum hatte ich mich umgedreht, fühlte ich mich von der Präsenz des jahrhundertealten behäbigen Hauses gefangen. So eine Präsenz und Persönlichkeit, dass ich fast denke, ich hätte es auch gespürt, wenn ich nicht hingeschaut hätte – eines dieser ganz aussergewöhnlichen Häuser, das durch die Zeiten und Jahrhunderte an seinem Platz steht und irgendwie die Ausstrahlung einer dick und zufrieden daliegenden Katze hat (die aber blinzelt und durchaus Kontakt aufnimmt.) Selten habe ich ein Haus mit so viel Charakter erlebt, so einladend und verheissungsvoll. Und die breiten, ganz an die Wand geschnuckelten Holzbänke davor  – mei.

Und es gibt noch was Besonderes in Hollersbach: ein wunderschönes, kühles Naturschwimmbad. Kein Chlor, aber Fische. Und eine grosse Liegewiese. Es war die Art Sommerabend, an dem man den Badeanzug aus dem Handschuhfach nimmt und ohne Handtuch oder sonst was einfach schwimmen geht und danach auf der Wiese trocknet. Ein Geschenk von einem Abend!

Auf halben Weg von Mittersill hoch zum Pass Thurn fanden wir eine Pension. Ein hübsches kleines Häusle, nur zwei Zimmer breit, aber hoch mit dunklen verzierten Holzbalkonen, die über und über mit Petunien behängt waren. Eine freundliche Zimmerwirtin, die uns bei unserer Ankunft in ihre eigene Küche bat, weil sie grade Johannisbeermarmelade auf dem Herd hatte. Und vom schnuckligen Zimmerchen aus und vor allem dem Südbalkon davor schon wieder eine herzziehend schöne Aussicht auf die Berge nach Süden. Den ich am Geburtstagsmorgen ausgiebig genoss – was für ein Tagesbeginn!

DSCF6639Für die Krimmler Wasserfälle verspricht das Buch, dass man am Kürsingerplatz ohne passende Kleidung innerhalb weniger Minuten bis auf die Haut nass wird. Nichts wie hin! Bei vorhergesagten 32 Grad war die Devise: das dünnste Sommerkleidchen anziehen und so nah wie möglich rangehen. Und es war genial! Man wird wirklich von der Gischt wunderbar kühl eingenebelt und hat kleine Wassertröpfchen auf der Haut und den Haaren – perfekt.  Oberhalb der zweiten Fallstufe fanden wir eine Stelle, an der man direkt ans und ins Wasser kann. Alles Vorhergehende war derart wild und strudelig, dass niemand auf die Idee käme, auch nur in die Nähe zu wollen. Aber da oben gibt es ein breites Flussbett mit riesigen rundgeschliffenen Steinen, auf denen wir rumgeturnt sind. Die Ache ist eisig und reissend, und es war das grösste Geburtstagsvergnügen, da drin zu sitzen.

Fazit: es muss nicht Bali sein. Nur zwei Tage in der Nähe von zuhause können einen unglaublichen Erholungseffekt haben, wenn sie einen derartigen landschaftlichen Tapetenwechsel bieten wie dieser Ausflug. Dank des Wetters waren es Sommertage wie aus dem Bilderbuch, mit allem, was dazu gehört. Sollte es jetzt den Rest des Sommers regnen, wäre ich versöhnt, weil ich ihn trotzdem mit allen Sinnen spüren durfte: Freibad, Johannisbeermarmelade, Bienen im Lavendel, Füsse im eiskalten Gebirgsbach und gleichzeitig Sonnenbrand auf den Schultern – mehr kann man nicht verlangen.

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