Alpenblicke

Nationalstolz am WolfgangseeAlso, noch mal zu diesem netten Buch: mittels zweier Geburtstagsausflüge haben wir Franziska Lipps „Beste Aussichten im Salzburger Land“ einem Praxistest unterzogen. Das Buch ist und bleibt empfehlenswert – und es ist besonders nett, es mit einem Gutschein für einen Ausflug zu verschenken, weil das doppelte Freude ist. Gemäss dem persischen Sprichwort, dass der Duft der Rose an der Hand desjenigen bleibt, der sie verschenkt, kann man gar nicht sagen, ob die Beschenkte oder die Schenkende mehr hat von solchen schönen Ausflügen: es ist eine perfekte Möglichkeit, Zeit mit einem lieben Menschen zu verbringen und dabei ganz besondere Orte kennenzulernen.

Wir haben’s gleich mal krachen lassen und mit einem Superlativ angefangen: der Grossglockner-Hochalpenstrasse, auf der wir beide noch nie gewesen waren. Es war ohne Zweifel ein Ausnahmeerlebnis. Hat man sich erst mal auf oben!2400 Meter hochgeschraubt, bieten sich atemberaubende Ausblicke auf schneebedeckte Gipfel, wo man auch hinschaut. Und wenn man auf dieser Höhe der Passstrasse auf und ab folgt, hat man oft das Gefühl, auf dem Dach der Welt zu fahren. Es ist sicher ein ganz besonderer Platz auf der Erde – aber definitiv nicht mein Lebensraum… Ich habe mich ziemlich schnell erschlagen gefühlt. Dreissig Dreitausender ist einfach ein bisschen zu viel des Guten. Und alles ist so grandios, gigantisch, monumental und unvorstellbar prächtig, dass es einfach zu viel wird. Es ist, als ob man drei Bruckner-Symphonien gleichzeitig hören müsste: eigentlich zu viel für einen normalen Menschen. Und ausserdem hatten wir die ganze Zeit Probleme, den Grossglockner überhaupt zu erkennen unter so vielen Giganten. Wirklich! Selbst ein österreichisches Paar, das wir vor dem vermeintlichen Kandidaten fotografiert haben, lag falsch – obwohl sie in dem Moment auch überzeugt waren, dass es der richtige Berg ist… Macht ja auch nix: die Umgebung und die Ausblicke sind überall umwerfend. Und zum ersten mal im Leben habe ich Murmeltiere und Steinböcke gesehen! Und es war schon ein erhebendes Gefühl, die Alpen (fast) überquert zu haben mit meinem kleinen Auto, noch dazu auf einer historischen Strasse. Zu wissen: wenn wir jetzt ein paar Kilometer weiterfahren würden, hätten wir dieses Hindernis zwischen uns und Italien überwunden. (Das Auto bittet aber wieder um die Tauernautobahn nächstes Mal…)

mit 10 kmhVerglichen mit dem Grossglockner war unser zweiter Ausflug auf den Schafberg im Salzkammergut lieblich und romantisch und so derartig schön, dass ich irgendwann wieder da hoch will. Es ist ein wirklich nettes Erlebnis, mit einem 120 Jahre alten Zahnradbähnle durch blühende Alpenwiesen ganz gemächlich und in aller Ruhe da hochgeschaukelt zu werden. Und der Ausblick von oben in alle Himmelsrichtungen ist auch grandios, aber nicht auf diese furchteinflössende Art wie im Hochgebirge. Wir waren auf 1700 Metern und damit höher als die meisten der sanften grünen Berge, die sich unter uns ausbreiteten. Und wir schauten auf zahlreiche tiefgrün funkelnde Seen im Salzkammerhut: Wolfgangsee und Abersee, Fuschlsee, Mondsee, Attersee… Das war unglaublich schön an diesem perfect view Wolfgangseestrahlenden Junitag. Und apropos: es war erstaunlich leer da oben. Wir hatten zum Mittagessen einen traumhaften Logenplatz auf der Terrasse mit Blick auf das Dachsteingebirge links, die Niederen Tauern und jede Menge anderer Berge, die ich natürlich nicht kenne… Der Spaziergang danach auf der Nordseite war allerdings nichts für schwache Nerven: es gibt zwar ein Geländer, aber es geht 300 Meter senkrecht in die Tiefe. Aber wenn man nicht mit Absicht direkt runterschaut, ist es auch ein grandioses Gefühl, an diesem Abbruch zu stehen – das muss genau die Perspektive von Vögeln sein, wenn sie sich in den Himmel erheben.

Schloss FuschlMit einer Mutter, die im früheren Leben eine Gemse gewesen sein muss, war der Weg zur Himmelspforte auch ein eher spezielles Vergnügen. Dieser Berg ist mir einfach zu steil. Ich hatte ständig schweissnasse Hände vor Höhenangst, meine Mutter aber war derartig in ihrem Element, dass ich irgendwann ein Foto von ihr am Abgrund machte und dabei dachte: so, ich mach noch ein Bild für die Brüder, bevor sie runtersegelt… Glücklicherweise sind wir wieder zusammen runtergekommen, und auch wie geplant mit der kleinen Bahn.

Abends standen wir mit den Füssen im angenehm kühlen Fuschlsee – der ja auch ein ganz traumhafter Platz ist – und schauten zu unserem Abenteuerberg rauf, der in der Ferne noch zu erkennen war. Fazit: ich werde nie ein Bergmensch. Aber ich werde garantiert noch ein paar Ausflüge aus Franziskas Buch unternehmen!

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