Alpenblicke

14. Juni, 201407:36 von

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Nationalstolz am WolfgangseeAlso, noch mal zu diesem netten Buch: mittels zweier Geburtstagsausfl├╝ge┬áhaben wir Franziska Lipps „Beste Aussichten im Salzburger Land“ einem Praxistest unterzogen. Das Buch ist und bleibt empfehlenswert – und es ist besonders nett, es mit einem Gutschein f├╝r einen Ausflug zu verschenken, weil das doppelte Freude ist. Gem├Ąss dem persischen Sprichwort, dass der Duft der Rose an der Hand desjenigen bleibt, der sie verschenkt, kann man gar nicht sagen, ob die Beschenkte oder die Schenkende mehr hat von solchen sch├Ânen Ausfl├╝gen: es ist eine perfekte M├Âglichkeit, Zeit mit einem lieben Menschen zu verbringen und dabei ganz besondere Orte kennenzulernen.

Wir haben’s gleich mal krachen lassen und mit einem Superlativ angefangen: der Grossglockner-Hochalpenstrasse, auf der wir beide noch nie gewesen waren. Es war ohne Zweifel ein Ausnahmeerlebnis. Hat man sich erst mal auf oben!2400 Meter hochgeschraubt, bieten sich atemberaubende Ausblicke auf schneebedeckte Gipfel, wo man auch hinschaut. Und wenn man auf dieser H├Âhe der Passstrasse auf und ab folgt, hat man oft das Gef├╝hl, auf dem Dach der Welt zu fahren. Es ist sicher ein ganz besonderer Platz auf der┬áErde – aber definitiv nicht mein Lebensraum… Ich habe mich ziemlich schnell erschlagen gef├╝hlt. Dreissig Dreitausender ist einfach ein bisschen zu viel des Guten. Und alles ist so grandios, gigantisch,┬ámonumental und unvorstellbar pr├Ąchtig, dass es einfach zu viel wird. Es ist, als ob man drei Bruckner-Symphonien gleichzeitig h├Âren m├╝sste: eigentlich zu viel f├╝r einen normalen Menschen. Und ausserdem hatten wir die ganze Zeit Probleme, den Grossglockner ├╝berhaupt zu erkennen unter so vielen Giganten. Wirklich! Selbst ein ├Âsterreichisches Paar, das wir vor dem vermeintlichen Kandidaten┬áfotografiert haben, lag falsch – obwohl sie in dem Moment auch ├╝berzeugt waren, dass es der richtige Berg ist… Macht ja auch nix: die Umgebung und die Ausblicke sind ├╝berall umwerfend. Und zum ersten mal im Leben habe ich Murmeltiere und Steinb├Âcke gesehen! Und es war schon ein erhebendes Gef├╝hl, die Alpen (fast) ├╝berquert zu haben mit meinem kleinen Auto, noch dazu┬áauf einer historischen Strasse. Zu wissen: wenn wir jetzt ein paar Kilometer weiterfahren w├╝rden, h├Ątten wir dieses Hindernis zwischen uns und Italien ├╝berwunden. (Das Auto┬ábittet aber wieder um die Tauernautobahn n├Ąchstes Mal…)

mit 10 kmhVerglichen mit dem Grossglockner war unser zweiter Ausflug auf den Schafberg im Salzkammergut lieblich und romantisch und so derartig sch├Ân, dass ich irgendwann wieder da hoch will. Es ist ein wirklich nettes Erlebnis, mit einem 120 Jahre alten Zahnradb├Ąhnle durch bl├╝hende Alpenwiesen ganz gem├Ąchlich und in aller Ruhe da hochgeschaukelt zu werden. Und der Ausblick von oben in alle Himmelsrichtungen ist auch grandios, aber nicht auf diese furchteinfl├Âssende Art wie im Hochgebirge. Wir waren auf 1700 Metern und damit h├Âher als die meisten der sanften gr├╝nen Berge, die sich unter uns ausbreiteten. Und wir schauten auf zahlreiche tiefgr├╝n funkelnde Seen im Salzkammerhut: Wolfgangsee und Abersee, Fuschlsee, Mondsee, Attersee… Das war unglaublich sch├Ân an diesem perfect view Wolfgangseestrahlenden Junitag. Und apropos: es war erstaunlich leer da oben. Wir hatten zum Mittagessen einen traumhaften Logenplatz auf der Terrasse mit Blick auf das Dachsteingebirge links, die Niederen Tauern und jede Menge anderer Berge, die ich nat├╝rlich nicht kenne… Der Spaziergang danach auf der Nordseite war allerdings nichts f├╝r schwache Nerven: es gibt zwar ein Gel├Ąnder, aber es geht 300 Meter senkrecht in die Tiefe. Aber wenn man nicht mit Absicht direkt runterschaut, ist es auch ein grandioses Gef├╝hl, an diesem Abbruch zu stehen – das muss genau die Perspektive von V├Âgeln sein, wenn sie sich in den Himmel erheben.

Schloss FuschlMit einer Mutter, die im fr├╝heren Leben eine Gemse gewesen sein muss, war der Weg zur Himmelspforte auch ein eher spezielles Vergn├╝gen. Dieser Berg ist mir einfach zu steil. Ich hatte st├Ąndig schweissnasse H├Ąnde vor H├Âhenangst, meine Mutter aber war derartig in ihrem Element, dass ich irgendwann ein Foto von ihr am Abgrund machte und dabei dachte: so, ich mach noch ein Bild f├╝r die Br├╝der, bevor sie runtersegelt… Gl├╝cklicherweise sind wir wieder zusammen runtergekommen, und auch wie geplant mit der kleinen Bahn.

Abends standen wir mit den F├╝ssen im angenehm k├╝hlen Fuschlsee – der ja auch ein ganz traumhafter Platz ist – und schauten zu unserem Abenteuerberg rauf, der in der Ferne noch zu erkennen war. Fazit: ich werde nie ein Bergmensch. Aber ich werde garantiert noch ein paar Ausfl├╝ge aus Franziskas Buch unternehmen!