Nachholstunden

13. M├Ąrz, 201207:41 von

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Auf der Suche nach der verlorenen ZeitÔÇŽ

K├Ânnen wir zu einem sp├Ąteren Zeitpunkt etwas nachholen, das wir vers├Ąumt haben? K├Ânnen wir verpasste Lebenszeit nachholen?

Mein eigenes Leben zeigt, dass die Entscheidung f├╝r eine Sache immer auch die Entscheidung gegen eine andere ist. Einfach, weil sich manches nicht simultan erleben l├Ąsst. Ich habe in der Schule Franz├Âsisch gelernt, kann aber nicht italienisch sprechen. Ich war noch nie in England, kenne mich aber in Frankreich aus. Wir sind aufs
Land gezogen und geniessen es, jeden Morgen im Gr├╝nen und bei Vogelgesang aufzuwachen ÔÇô aber der Weg nach M├╝nchen ist weit. Unser Leben ist bestimmt davon, Entscheidungen zu treffen und Priorit├Ąten zu setzen. Manchmal ├╝bernimmt es das Schicksal, uns zu diktieren, was wir tun m├╝ssen, manchmal k├Ânnen wir selber ein W├Ârtchen mitreden.

Unseren Kindern geht es nicht anders: manchmal h├Ąlt eine akute Erkrankung sie davon ab, in die Klavierstunde zu kommen. Manchmal sind es von der Schule auferlegte Aktivit├Ąten wie Wandertag, Schullandheim, Skilager. Manchmal ist es die ganz bewusste und eigene Entscheidung, am Klavierstundentag an einer attraktiveren Veranstaltung teilzunehmen. Wie auch immer: in der Zeit, in der sie die Klavierstunde vers├Ąumen, geht f├╝r die Kinder das Leben ja weiter ÔÇô bestenfalls machen sie
wertvolle Erfahrungen. Ist es ├╝berhaupt m├Âglich oder sinnvoll, diese bereits erlebte Lebenszeit nochmal erleben zu wollen in Form einer Nachholstunde? Oder muss man akzeptieren, dass man sich aus welchem Grund auch immer f├╝r das andere entschieden hat und einfach nicht alles haben kann?

Ich hoffe, Ihnen als zahlenden Eltern kommen meine ├ťberlegungen nicht zu eigenn├╝tzig vor. Anlass daf├╝r ist, dass ich in den Faschingsferien 17 Nachholstunden zu geben hatte und┬áeinfach ins Gr├╝beln gekommen bin. Nachdem ich mich bei Kollegen umgeh├Ârt habe und auch die Schulordnungen der Musikschulen Rosenheim und Ebersberg studiert habe, bin ich zu folgendem Entschluss gekommen:

Bitte betrachten Sie die Unterrichtsgeb├╝hr als Jahresgeb├╝hr und nicht als Bezahlung f├╝r eine bestimmte Anzahl von Stunden. In Anlehnung an die ├╝bliche Praxis werden Klavierstunden, die vom Sch├╝ler abgesagt werden, in Zukunft nicht mehr nachgeholt. Sie k├Ânnen gern versuchen, in der betreffenden Woche mit einem anderen Sch├╝ler zu tauschen. Die Wochenenden und Ferien will und muss ich in Zukunft freihalten, um Freiraum f├╝rs eigene ├ťben und Proben mit Kollegen zu gew├Ąhrleisten.

Sollte ein Sch├╝ler l├Ąnger erkrankt sein, werden die Stunden zur├╝ckerstattet.

Ebenfalls, wenn ich wegen Krankheit absagen sollte.

Und bedenken Sie: Sie bezahlen mich daf├╝r, mich eine gewisse Zeit pro Woche musikalisch mit Ihrem Kind zu besch├Ąftigen. Sollte das Kind verhindert sein, h├Ąlt Sie nichts davon ab, in dieser Zeit selber zu mir zu kommen. Wir k├Ânnen bei einer Tasse Kaffee ├╝ber den Fortschritt und Pl├Ąne f├╝r Ihr Kind sprechen, ich kann Ihnen aber auch die ganze Zeit lang etwas vorspielen, was Sie gern h├Âren. Sie k├Ânnen auch Ihre eigenen Eltern oder Geschwister des Sch├╝lers zu mir bringen f├╝r ein Wunschkonzert oder eine Schnupperstunde – die bezahlte ┬áZeit muss f├╝r Sie nicht verloren sein und ich bin ganz flexibel!