A rainy day

2. Januar, 201209:41 von


Nach acht Wochen Erk├Ąltung und Husten, in denen ich nur zwei Tage Unterricht abgesagt habe, lag ich ├╝ber Weihnachten mit einer Lungenentz├╝ndung flach. Jetzt hatte ich genug Zeit, ├╝ber mein falsch verstandenes Pflichtbewusstsein nachzudenken und mich zu fragen, was wirklich dahinter steckt: die Angst, ein schlechtes Vorbild f├╝r meine Sch├╝ler zu sein, wenn ich bei jedem Wehwehchen absage, oder das Grausen vor unendlich vielen Nachholstunden oder komplizierten R├╝ck├╝berweisungen des Honorars.

Es ist wohl eine Kombination aus beidem. Ich erwarte von meinen Sch├╝lern ja auch, dass sie sich manchmal zusammenreissen, und um glaubhaft zu sein, muss ich selber das leben, was ich von ihnen verlange: p├╝nktlich sein, vorbereitet sein, selber auftreten und Konzerte spielen, ├╝berzeugt davon sein, dass wir Musik unter die Leute bringen m├╝ssen, und: eben nicht wegen jeder Kleinigkeit abzusagen. Und vor den Eltern m├Âchte ich auch nicht als diejenige dastehen, die ein paar Mal im Halbjahr absagt oder die Stunden verschiebt.

Und dann ist da das Problem, das alle Selbst├Ąndigen kennen: kommt man mit Nachholstunden nicht mehr nach (was schnell der Fall ist, da fast jeder Sch├╝ler von sich aus auch mal absagen musste), bleibt nur die R├╝ckerstattung, also der Verdienstausfall. Das kann sich schnell summieren und auch ein Grund sein, unvern├╝nftigerweise durchzuhalten. In den letzten Wochen habe ich meinem K├Ârper wirklich Gewalt angetan und mich f├╝hlbar krank zu allen m├Âglichen Veranstaltungen geschleppt. Ich musste bitter daf├╝r bezahlen, indem ich meine liebste Zeit des Jahres nur wie im Nebel mitbekommen habe und die Weihnachtstage fast komplett neben dem geliebten Christbaum verschlafen habe. Das soll nicht mehr vorkommen! In meinem Budget ber├╝cksichtige ich, typisch deutsch, das Auto, die Steuer, die Sondertilgung f├╝rs Haus, die Absicherung f├╝r eine ferne Zukunft als Rentnerin – doch es gibt keinen Posten, der auf mich und eventuelle ung├╝nstige Lebenslagen in der Gegenwart R├╝cksicht nimmt. Ein zus├Ątzliches Krankentagegeld w├╝rde ungef├Ąhr ein Drittel meines kompletten Krankenkassenbeitrags in Anspruch nehmen und bringt ja nichts bei einer zweiw├Âchigen Erk├Ąltung. Also muss ich mich selber k├╝mmern und einfach was ansparen f├╝r den ber├╝hmten „rainy day“, an dem man aus welchem Grund auch immer nicht in der Lage ist, zu arbeiten.

Zuf├Ąllig f├Ąllt diese Einsicht in die Zeit der allgemeinen guten Vors├Ątze. Dann kann ich gleich noch hinzuf├╝gen, dass ich in Zukunft etwas netter zu meinem K├Ârper sein sollte und nicht stolz darauf, trotz allem immer weiterzuk├Ąmpfen. Was einen dann umbl├Ąst, ist wesentlich unangenehmer als zuzugeben, dass man auch nur ein Mensch ist.

in Salzburg - weniger ist mehr!Und noch was habe ich gelernt: auch wenn nicht alles hunderprozentig perfekt vorbereitet┬áwar und manches ganz ungewohnt erst in allerletzter Minute fertig wurde – Weihnachten ist doch gekommen, und irgendwie war┬ádas, was ich davon mitbekommen habe,┬ádoch sch├Ân.┬áDas┬áHaus muss nicht┬ánoch toller aussehen – ein paar Lichterketten, ein Kranz an der T├╝r und ein bisschen Dekoration auf dem Kaminsims reichen. Vier Sorten Pl├Ątzchen sind mehr als genug. Der Baum ist wundersch├Ân mit sechs roten und zw├Âlf goldenen Kugeln und kleinen Sch├╝lergeschenken dran – dieses Jahr waren es viele wundersch├Âne Origami-Sterne. Der geschenkte Dresdner Stollen schmeckt besser als die sechs, die ich jedes Jahr backe. Die Sch├╝ler-Weihnachtsfeier funktionierte auch mit gekauften Lebkuchen und Chips und einem lockereren Programm. Tats├Ąchlich war dieses Weihnachten nicht sp├╝rbar schlechter als sonst, obwohl ich mir h├Âchstens 10% des ├╝blichen Vorbereitungsstress machte. Das darf so bleiben!

Die Bilder sind von einem Adventsausflug nach Salzburg (nach dem Motto: Husten in ├ľsterreich…). Mir gef├Ąllt die schlichte, aber wundersch├Ân frische Dekoration in gr├╝n und weiss!